Europäische Forschung für Schweizer Forscher und Firmen: Warum jetzt erst recht? 7 Gründe...



Allerhand Unwahrheiten kursieren rund um die Teilnahmemöglichkeiten der Schweiz am EU-Horizon Europe Programm für Forschung und Innovation (F&I).


von Dr. Andrea Degen, August 2021


Wahr ist: Die Schweiz ist erneut nicht assoziiert an das 9. Europäische Rahmenprogramm für F&I «Horizon Europe» (2021-27). Sie war es 2014 nicht und auch vor dem Inkrafttreten der Bilateralen Verträge 2006 nicht. Trotzdem haben Schweizer seit Bestehen der EU-Forschungsprogramme immer aktiv teilgenommen.

Unwahr ist: Schweizer Forscher und Unternehmen könnten nicht am H’Europe Programm teilnehmen und würden Schlüsselrollen verlieren. Das ist, was die Schweizer Presse schreibt.

Wahr ist: Die EU Rahmenprogramme sind der einzige Weg, wie die Schweizer Industrie an Direktzahlungen für ihre risikoreiche F&I kommt, und dies auch wenn die Schweiz nicht assoziiert ist. Genau so können Schweizer Forscherkarrieren über H’Europe vorangetrieben werden oder die wissenschaftliche Projektkoordination übernommen werden. Schweizer Forschungsinstitutionen (ETHs, Universitäten und Fachhochschulen) sind hingegen klar benachteiligt, weil sie als Gastinstitutionen nur bis maximal 50% der Forscherzeit noch in Frage kommen. Dieser Unterschied, Institutionen versus Individualforscher oder Firmen, führt zu einer Pauschalisierung und Fehlkommunikation.

Unwahr ist: Die Schweizer Regierung sei innovativ, und Innovation werde in der Schweiz breit finanziell unterstützt. Die Schweizer Regierung tätigte noch nie in ihrer Geschichte Direktzahlungen an die Innovationsleistung der Industrie. Diese Annäherung gleich Null und der dennoch hohe Output gründet auf zweckoptimistischer Propaganda, dem privaten Start-Up-Bereich und der F&E der Grossindustrie. Die Schweiz ist beim Global Innovation Score Board auf Platz 1 wegen der Patenteingaben der Grossindustrie, ihrem durchlässigen Bildungssektor und dem geringen Input versus Output. Die Investitionen kommen wie ein Magnet aus dem Ausland, aufbauend auf dem Schweizer Mythos und weniger Vorzeigeprojekte. Die Schweizer Industrie im Globalisierungstrend investiert hingegen jedes Jahr 1-3% mehr in ausländische F&I Kooperationen. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF), die Hauptförderagentur für Forschung, weist wiederholt in ihren Richtlinien darauf hin, dass die Verwertung von Forschungserzeugnissen nicht erwünscht sei. In SNF Programmen wie «Practice to Science» werden Weltklasse-Innovatoren, weil mit kleinlicher Grundlagen-Matrix vermessen, abgeschmettert. Die Karrieren von Harvard-ProfessorInnen gelangen an der zweisprachigen Schweizer Universität zu ihrem Ende, wo sie in den Französisch- und Deutsch Kurs geschickt und als Englisch Lehrpersonal missbraucht werden.

Wahr ist: Die Schweizer Grundlagenforschung, genauso wie die Europäische, ist umsetzungsignorant. Die eigene Diversität und damit die Innovationskraft wird auf dem überalterten Kontinent nicht vollwertig ausgeschöpft. Damit das Gegeneinander der Nationen, Bevölkerungsgruppen, Sektoren unter dem Deckmantel der Demokratie ist nach wie vor sehr stark, was sich als Bärendienst am eigenen zukünftigen Wohlstand erweist.

Bei der Selbstüberschätzung insbesondere der Schweizer darf in Erinnerung gerufen werden, dass ganz Europa lediglich 6% der Weltbevölkerung beherbergt und für 7% der Weltwirtschaftsleistung verantwortlich ist. 17% der weltweiten Forschung & Entwicklung beträgt die Leistung von Gesamteuropa. Im Forschen sind Europäer weit besser als in der Umsetzung. 25% der wichtigsten wissenschaftlichen Publikationen gehen auf Konto, wobei die Verwertung der Forschungsresultate nicht der Kultur einverleibt wurde. So gaben 44% der Koordinatoren von EU-Projekten 2017 an, Patente spielten in ihren Projekten keine Rolle, während Chinesische Forschungspartner durchschnittlich zwei Patente jährlich in Verbindung mit den EU-Projekten einreichten (eigene unveröffentlichte Daten aus FP7 ERICENA ENRICH Projekt). Sei es künstliche Intelligenz, Brennstoffzellen, diverse klinische Anwendungen und auch die 3D-Prototypisierung, viele einzelne innovationsstarke Regionen sind exzellent, füttern aber vornehmlich die Wirtschaft in Übersee. Die Informatik und Programmierungen von skalierbaren neuen Geschäften, passiert vornehmlich in Entwicklungs- und Schwellenländern. An Schweizer Universitäten pipettieren die Lebenswissenschaftler in jedes Reagenzglas einzeln, während die asiatischen Studenten mit High-Through-Put, RFID-Chip-Rückverfolgbarkeit und grossen Clean-Room-Infrastrukturen zur Sequenzierung von Genomen gross werden. Es ist nicht alles Gold, was glänzt in Übersee. Mit 94% der Weltbevölkerung ist die Wahrscheinlichkeit bei all den Fehlern immer noch ungleich grösser, mit Zukunftstechnologien aufwarten zu können. Wenn wir überalterten Bevölkerungsschichten Gehör schenken, wie sie über ihre eigenen Jungen herfahren und diese in Europe ungleich zahlreicher sind als in z.B. Indien oder Vietnam, dann schmerzt diese Demotivation der Jungen zusätzlich und entbehrt jeder Logik oder Sinn eines Selbsterhaltungstriebs. Europäische Lemminge, oder gemäss Einstein: Um Teil einer Herde zu sein, muss man vor allem ein Schaf sein.

Einerseits fehlt in Europa der «Common Sense» andererseits spielt Europa, als wäre Demokratie und Gleichmacherei über allem und immer ein Mehrwert. Es wird Zeit, gewisse Mythen über Bord zu werfen und auf ein vereinigtes Europa hin zu arbeiten. Die anhaltende Zersplitterung schadet in erster Linie den Europäern selbst. Dies zu beschönigen ist Teil des Problems. Den Schweizern, sogenannt neutral und traditionell föderal verbindend, würde die Rolle zustehen, Europa mehr zu einen. Hoffen wir, der sektorielle Ausschluss aus der Europäischen Gemeinschaft möge dieses Bewusstsein schärfen.


Jetzt antizyklisch als Schweizer erst recht an H’Europe teilnehmen, sollte man aus folgenden Gründen:

  1. H’Europe ist die einzige Möglichkeit überhaupt, wie Firmen ihr F&I direktfinanzieren können. Firmen erhalten 75-100% ihrer F&I, die sie ansonsten selber bezahlen, vergütet.

  2. H’Europe bringt die Schweizer Forschung und die Industrie bei regelmässigen Treffen zum Abgleich mit dem internationalen «State-of-art», inspiriert und erhält sie wettbewerbsfähig.

  3. H’Europe Beträge in Milliardenhöhe wurden von der Politik bereits frei gegeben für die Teilnahme der Schweizer. Wenn Firmen diese nicht abholen, verwerten diese die Universitäten.

  4. H’Europe erlaubt Schweizer Spitzenforscher sehr wohl die wissenschaftliche Leitungsfunktion. Die administrative Leitungsfunktion und Kommunikation mit der Europäischen Kommission sei den europäischen Partnern überlassen. Sie ist und war – und dies ist allgemein bekannt - nie ein Mehrwert.

  5. H’Europe ist bekannt für die schlechte Verwertung der Forschungsergebnisse. Dies ist eine Chance für Unternehmer, sich an den Resultaten zu bedienen. Wenn sie es nicht tun, dann tun es die Amerikaner oder die Chinesen (siehe Photovoltaik, Fuel Cell, Flat screen, LED, etc., etc.).

  6. H’Europe erlaubt 37.5% Nebenkosten abzurechnen über die die Forschung und die Industrie frei verfügen können.

  7. Der Schweizer Status (Non-Associated) erlaubt eine flexiblere und gezieltere «Hopp-up» Teilnahme.

Für die Einzelforscher und die Firmen in der Schweiz, die jetzt direkten Zugang zu den Direktzahlungen wünschen, bieten wir Einzel-Coachings und unsere Anleitung an, wie Schweizer sehr wohl teilnehmen und grosse Zuschüsse abholen können:, Bitte lassen sie es uns ihnen erklären: team@eurelations.com oder Tel. +41 (0)44 271 33 33.

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